Kolja Mensing liest aus seinem Buch „Die Legenden der Väter“

 

Der Schriftsteller und Journalist Kolja Mensing erzählt, wie er sich auf die Suche nach seinem polnischen Großvater macht:

1946 wird ein Junge im Nordwesten Deutschlands geboren. Der Vater ist ein polnischer Besatzungssoldat in Fürstenau und die Mutter Deutsche. Die Beziehung scheitert, der Soldat geht zurück nach Polen, und das Kind wächst ohne Vater auf. Erst Jahre später gibt es einen Kontakt zwischen Vater und Sohn und nochmals viele Jahre später begibt sich der Enkel Kolja Mensing auf die Spurensuche in Deutschland und Polen.

Kolja noch selbst Kind mochte es, wenn sein Vater ihm Geschichten erzählte, vor allem die Geschichten von seinem Großvater, einen polnischen Besetzungssoldaten im Emsland. Mensing war 6 Jahre alt als er den Namen Józef Koźlik zum ersten Mal hörte.

Nach einem Besuch bei den Großeltern verriet sein Vater ihm, dass sein richtiger Großvater sei ein Pole ist, der sich während des Krieges auf abenteuerlichen Wegen durchgeschlagen hat und mit der britischen Armee nach Fürstenau kam. Hier lernte er die Tischlertochter Marianne kennen und zeugte mit ihr ein Kind.

Es waren Heldengeschichten, die Mensings Vater seinem Sohn Kolja über Józef Koźlik erzählte.

Um mehr über seinen Großvater zu erfahren, begab er sich auf Spurensuch. In den fast 10 Jahren seiner Recherchen beginnen die Legenden zu bröckeln. Der strahlende Held Józef Koźlik entpuppt sich als Alkoholiker und notorischer Lügner.

Mensing erfährt, dass Familiengeschichten nie so eindeutig sind, wie sie erzählt werden, und dass Krieg und Besatzungszeit auch seine Generation noch prägen.

Kolja Mensing gelingt es in seinem Buch „Die Legenden der Väter“ sehr gut zu zeigen, wie sein Großvater in die Mühlen der Weltgeschichte gerät. Er beleuchtet die historischen Umstände der polnischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1947 im nördlichen Emsland, die nur wenig bekannt ist.

Freuen sie sich auf einen unterhaltsamen Abend mit dem begnadenden Leser und Erzähler Kolja Mensing, der bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

 

Donnerstag, 31. Mai um 19.00 Uhr in der Hofstelle Duling, Drosselweg 2 in 49134 Wallenhorst.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.  

 

Familiengeschichte und Nachkriegshistorie – Spannende Lesung mit Kolja Mensing

Für sein Buch „Die Legenden der Väter“ hat der Journalist und Autor Kolja Mensing 10 Jahre die Geschichten seines polnischen Großvaters erforscht. Während der Lesung erfuhren die Zuhörer nicht nur etwas über die spannende Spurensuche in Polen und Deutschland, sondern vieles über die Familiengeschichte des Autors und die Nachkriegshistorie der Gemeinde Fürstenau des des Emslandes. Als Kolja Mensing 6 Jahre alt war, hörte er das erste mal den Namen seines Großvaters Jósef Koźlik und deren Heldengeschichten: Auf abenteuerlichen Wegen habe Jósef sich von Polen über den Balkan nach Palästina durchgeschlagen und im Zweiten Weltkrieg mit den Engländern gegen Deutsche gekämpft. Heute weiß Mensing, dass die Geschichte so nicht stimmt.

Da der Großvater Jósef bereits verstorben ist, führt Kolja Gespräche mit seiner Schwester. Von ihr erfährt er, dass sein Großvater bereits als Jugendlicher von der Wehrmacht eingezogen wurde, später desertierte und sich einer polnischen Eliteeinheit anschloss.

Dies war immer noch nicht die ganze Wahrheit. Aus britischen Archiven erfuhr Mensing, dass sein Großvater von einer kanadischen Einheit festgesetzt und nach dem Krieg als polnischer Besatzungssoldat im Emsland eingesetzt wurde. 1945 wurden 1000 Soldaten nach Fürstenau verlegt, wo Jósef dann die Tischlertocher Marianne kennenlernte und mit ihr ein Kind zeugte – Koljas Vater. Die Beziehung scheiterte und Józef Koźlik ging nach Polen zurück, wo er als sogenannter „Beutekamerad“ eine Gefängnisstrafe verbüßen musste.

Mensings Vater hatte es in der Nachkriegszeit als „Polenkind“ in der Gemeinde Fürstenau nicht leicht. Gespräche verstummten, wenn er den Raum betrat. Von der Mutter wurde er über seine Herkunft im unklaren gelassen. Diese Lücke in seinem Stammbaum füllte er mit abenteuerlichen Geschichten, weiß Kolja Mensing heute zu berichten.

Der Journalist und Autor erwies sich an dem Abend im Dulingshof nicht nur als guter Vorleser, sondern auch als spannender Erzähler seiner Stammbaumgeschichte.